GRÜNE fordern: Wilhelmsplatz nicht Partikularinteressen opfern!

05.02.21

Grünen-Vorsitzende Simon wundert sich über Interpretation der Umfrageergebnisse zur testweisen Schließung der Seitenstraßen zu Marktzeiten

Nach der gestrigen Veröffentlichung der Umfrageergebnisse zum Wilhelmsplatz zeigt sich Birgit Simon, Vorsitzende der Offenbacher Grünen, erstaunt über die Auslegung der Ergebnisse. „Für uns Grüne geht klar hervor, dass eine Sperrung und vollständige Verkehrsberuhigung des Platzes gewünscht ist und gerade zu den Marktzeiten kommen muss.“ Dass die Zustimmung für eine Sperrung an Markttagen zwischen 7 und 11 Uhr signifikant geringer sei, hält sie für eine sehr weite Interpretation der Ergebnisse. „Die Umfrage gibt das eigentlich nicht her“ stellt die Grüne fest.

Tatsächlich finden fast dreiviertel (72 %) der morgendlichen Besucher*innen die Schließung eher oder sehr gut. Dem stehen nur 15 % gegenüber, die die Verkehrsberuhigung weniger oder überhaupt nicht befürworten. „Besucher*innen, Anwohner*innen und die Gesamtbevölkerung wurden repräsentativ befragt. In allen Gruppen zeigt sich, dass eine sehr große Mehrheit für eine Sperrung während der gesamten Marktzeiten ist.“

Wichtig ist auch den Gewöhnungsprozess an die Verkehrsregelung während der Testphase zu beachten: Unter allen Besuchern, die mit dem Auto kommen, ist die Ablehnung der Schließung der Seitenstraßen mit der Zeit gefallen von 37% auf 24%. Ebenso wichtig ist es bei Hervorhebungen von Teilergebnissen nicht die Gesamtrelation außer Blick zu verlieren: Es sind insgesamt 4 % aller Marktbesucher, die angeben nicht mehr zum Markt kommen zu wollen, wenn die Seitenstraßen für Autos gesperrt sein sollten. Warum diese kleine Gruppe der Marktbesucher privilegiert werden soll, gegenüber der erdrückenden Mehrheit der Besucher, die die Verkehrsberuhigung begrüßen, erschließt sich den Grünen nicht.

Selbst in der Gruppe der Marktbeschicker und Geschäftsinhaber, die sich am Anfang der Testphase in der Öffentlichkeit sehr kritisch dazu geäußert haben, besteht zumindest bei der Hälfte eine Bereitschaft über Veränderungen nachzudenken, wenn sie sie nicht schon begrüßen. Zur richtigen Einordnung dieser Umfrageergebnisse muss auch erwähnt werden, dass die große Mehrheit der Marktbeschicker (63,6%) und Geschäftsinhaber (71,2%) nicht die Möglichkeit genutzt haben sich kritisch zu äußern. Sie schickten die ihnen zugesandten Fragebögen erst gar nicht zurück. Dies deutet auf eine deutlich weniger kontroverse Einstellung unter Marktbeschickern und Geschäftsinhabern hin.

Zudem belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien auch, dass der Zusammenhang von PKW-Erreichbarkeit und Umsatz vom Handel grundsätzlich häufig deutlich überschätzt wird: Diese Kunden:innen geben zwar mehr Geld pro Einkauf aus, allerdings kommen Kunden*innen, die zu Fuß oder mit anderen Verkehrsmitteln kommen, häufiger. Sie bringen damit insgesamt über das Jahr betrachtet einen höheren Umsatz als die motorisierten Kunden (siehe z.B.: Endbericht des NRVP-Forschungsprojektes „Mit dem Rad zum Einkauf in die Innenstadt“ aus dem Jahr 2019 der Fachhochschule Erfurt).

Die Studien zu Auswirkungen von Verkehrsberuhigungen in Innenstädten zeigen auch, dass sich nach anfänglichen Protesten des Einzelhandels ihre Einstellung mit der Zeit in stillschweigende Akzeptanz wandelt, wenn beobachtet wird, dass nicht die Befürchteten Negativszenarien eintreten. Daher sind sich die Grünen sicher, dass selbst die kritisch eingestellten Gewerbetreibenden am Wilhelmsplatz ihre Einstellung mittelfristig ändern werden. Es ist schließlich gerade in ihrem Sinne, wenn sich ihre Kunden sicherer und wohler fühlen.

Dass die kritische Einschätzung auf die Geschäftsauswirkung nicht auf die Verkehrsberuhigung zurückzuführen ist, zeigen die Ergebnisse der Umfrage unter den Marktbesuchern genauso, wie auch ein Vergleich mit der Situation aller anderen Geschäfte in der Innenstadt, die nicht am Wilhelmsplatz liegen. Aufgrund der Corona-Pandemie und angesichts hoher Infektionszahlen in Offenbach, hatte die Innenstadt insgesamt unter starken Kundeneinbußen zu leiden.

„Genau anders herum wird ein Schuh daraus: Die Verkehrsberuhigung war eine wichtige Hilfsmaßnahme um den Betrieb des Marktes und der anliegenden Gastronomie, auch unter den Bedingungen der Corona-Pandemie, zu gewährleisten – weshalb sie auch zügig wiedereingeführt werden muss. Daher bleibt es bei dieser Forderung, die die Grüne Fraktion gestern gemeinsam mit den Koalitionspartnern gestellt hat, bis zu einer dauerhaften baulichen Lösung“ schließt Simon.

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